An den meisten Küsten steigt und fällt der Meeresspiegel zweimal am Tag mit vorhersagbarer Regelmäßigkeit. Etwas mehr als 6 Stunden lang steigt das Wasser: die Flut kommt. Dann fällt es über einen ebenso langen Zeitraum wieder ab: die Ebbe tritt ein.
Ebbe und Flut sind in erster Linie eine Folge der Anziehungskraft, die der Mond auf die Erde ausübt. Dazu kommt in geringerem Maß die Anziehungskraft der weiter entfernten Sonne. Diese Anziehungskräfte bewirken, dass sich das Wasser zu einer Art Buckel auftürmt. Auf der entgegengesetzten Seite entsteht durch die Fliehkraft der Erddrehung ein zweiter Buckel. Wenn sich diese Buckel auf eine Küste zu bewegen, hebt sich der Meeresspiegel als steigende Flut und sinkt später, ebenso vorhersagbar, wieder ab.
Der Tidenhub oder die Fluthöhe schwankt nicht nur von Ort zu Ort, sondern auch im Verlauf eines Monats. Die Flut mit dem höchsten Tidenhub, die sogenannte Springtide oder Springflut, tritt bei Neumond und bei Vollmond auf; dann befinden sich Sonne und Mond in einer Linie mit der Erde; ihre Anziehungskräfte ergänzen sich also dementsprechend. Der niedrigste Wasserstand, die sogenannte Nipptide oder Nippflut, herrscht, wenn Sonne und Mond rechtwinklig zur Erde stehen und ihre Anziehungskräfte einander entgegenwirken.