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Elektrischer Leuchtturm

Nordsee-Romantik wie aus dem Bilderbuch


Man könnte meinen, er sei eigens dafür gebaut worden, um Touristen das perfekte Nordsee-Fotomotiv zu bieten. Dabei ging es bei der Errichtung des Elektrischen Leuchtturms im Jahr 1891 natürlich erstmal nur darum, die Nachtschifffahrt im Bereich der Emsmündung noch sicherer zu machen. In Betrieb ist er seit ein paar Jahren nicht mehr. Was den elektrischen Leuchtturm nicht davon abhalten kann, mit seinem rot-weißen Anstrich auch weiterhin eine fast schon klischeehaft schöne Nordsee-Romantik auszustrahlen.

Der Elektrische Leuchtturm steht an der Westseite der Nordseeinsel Borkum und ist damit der westlichste Leuchtturm Deutschlands. Er befindet sich hinter der Dünenkette südlich des Ortskerns von Borkum und ist von dort mit einem 15-minütigen Fußmarsch gut zu erreichen. Am 11. August 2003 erlosch das Leuchtfeuer dieses 27 Meter hohen Turms endgültig, nachdem das zuständige Wasser- und Schifffahrtsamt in einer Kosten-Nutzen-Abwägung zunehmend den Sinn einer weiteren Unterhaltung des Feuers in Frage stellte. Der Leuchtturm dient aber weiterhin als wichtiges Bindeglied in der deutsch-niederländischen Radarüberwachung der Emsmündung und ist damit nach wie vor unentbehrlich. Zur Besichtigung ist er derzeit nicht freigegeben.

Mit der umfangreichen Emsbefeuerung in den Jahren 1887-1891 entstand auch dieser Turm, um der Schifffahrt den Weg in die westliche Einfahrt der Emsmündung zu weisen. 1886 vergab die Wasserbauinspektion Emden den Bauauftrag an die Isselburger Hütte, die sich später noch durch den Bau weiterer großer gusseiserner Leuchttürme einen Namen machen sollte.

Die Segmentteile mit einer Wandstärke von 27 mm wurden vor Ort auf einem drei Meter hohen Grundmauerwerk aufgebaut. Markant war die zweistöckige Laterne, die nur in Richtung Westen einen Lichtaustritt besitzt. Die Turmkuppel oberhalb der Laterne hatte grüne Farbe, der Turmschaft trug ansonsten schon damals seinen auffälligen rot-weißen Anstrich.

Sein Feuer wurde 1891 das erste Mal gezündet. Von Anfang an wurde eine elektrische Lichtquelle installiert, weshalb die Borkumer Insulaner ihm rasch den Beinamen Elektrischer Turm zukommen ließen. Bis 1940 lautete die offizielle Bezeichnung allerdings „Neuer Leuchtturm“, danach „Borkum Leitfeuer“. Dies war gleichzeitig der Erste in Deutschland betriebene Leuchtturm mit elektrischer Energieversorgung. Für die Stromerzeugung wurde eigens ein Maschinenhaus errichtet, in dem bis 1906 Dampfmaschinen Generatoren antrieben. Danach wurde die Stromerzeugung von zwei stehenden, einzylindrigen 12 PS-Dieselmotoren übernommen.

Insgesamt wurde der Leuchtfeuerbetrieb sehr kostspielig. Mit der elektrischen Energie betraten die Verantwortlichen unbekanntes Land, die damaligen Anlagen verlangten die ständige Aufmerksamkeit der Wärter. Auch der Betrieb der Dampfmaschinen verlangte hohen logistischen Aufwand, weswegen der Leuchtturm zeitweise auch Anschluss durch die Inselbahn zur besseren Kohleversorgung erhielt.

Zur Erprobung eines drahtlosen Schiffsmeldedienstes wurde Ende 1899 eine umfangreiche Sendestation neben dem Turm erbaut und am 28. Februar 1900 das erste Seefunktelegramm im Turm empfangen. Hierdurch wurde es möglich, eine Verbindung zum 35 km entfernt auf Position liegenden Feuerschiff „Borkumriff“ aufrecht zu erhalten und das Passieren jedes Ozeandampfers vorab mitzuteilen. In den folgenden Jahren entwickelte sich die Funktechnik mit Riesenschritten weiter.

1925 wurde die bisher verwendete Kohlenbogenlampe durch eine Nitrat-Projektionslampe ersetzt, die deutlich zuverlässiger funktionierte.

1966 wurde die markante Kuppel des Leuchtturms abgenommen und stattdessen der heutige Radaraufsatz montiert.

1983 veränderte sich das Feuer des Turms weiter, als die breit gefächerten Leitsektoren des Turms durch ein einzelnes Präzisionssektorenfeuer ersetzt wurde. Hierfür wurde zwischen die beiden Leitfeuerbereiche der Laterne ein kleines rundes Loch geschnitten, das deutlich an der Laterne erkennbar ist.

Über viele Jahre gehörte auch ein Wasserstandsanzeiger zum gewohnten Bild des „Elektrischen Leuchtturms“ auf Borkum. Ansonsten veränderte das markante Bauwerk weiter nicht und wirkt auch heute noch recht modern.

Nach einer Verschiebung des Fahrwassers musste das Feuer, wie eingangs erwähnt, 2003 außer Betrieb genommen werden, da das Hubertgat kaum noch für Schiffe passierbar ist. In der Presse wurde kurzzeitig eine Drehung der Laterne zum Ort hin aus touristischen Gründen diskutiert, doch erwies sich dieses Vorhaben als nicht durchführbar. Im Herbst 2006 begannen Sanierungsarbeiten an dem Bauwerk, bei dem es auch einen neuen Außenanstrich erhielt.

(Quelle: Leuchttuerme.net)

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