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Inselgeschichte

Borkums bewegte Inselgeschichte

Von römischen Geschichtsschreibern, Zäunen aus Walkinnläden und ersten Badegästen

Schwer zu finden ist ein Borkumer, der nicht von einem Walfänger abstammt. Entsprechend leicht zu entdecken sind Geschichten und Reliquien aus jener Zeit. Sie begegnen einem auf der Nordseeinsel Borkum an jeder Ecke.

Inselneulingen fällt schon mal die Kinnlade runter, wenn sie das erste Mal in die Wilhelm-Bakker-Straße einbiegen. Dort steht das Haus des Walfang-Kommandeurs Roloef Gerritsz Meyer – umsäumt von einem Zaun aus Walkiefern. Aber die Geschichte Borkums beginnt noch weit vor den frühen Walfängern.

„Burchana fabaria“ (die „Bohneninsel“) wird erstmalig erwähnt von Plinius dem Älteren und Strabo in der griechischen und römischen Geschichte. Für mehr als ein Jahrtausend bleibt die Geschichte Borkums dann jedoch im Dunkeln. Es wird berichtet, dass im 13. Jahrhundert Kreuzfahrerflotten vor “Borkna” ankerten. Der Name Bant erscheint zur Zeit der Karolingerherrschaft, als das Gebiet für das Christentum gewonnen wurde. Bant war ursprünglich eine Marschinsel und umfasste die jetzigen Inseln Borkum, Juist und den Westteil von Norderney. Bis gewaltige Sturmfluten, die auch an der Küste große Veränderungen bewirkten, die Insel zerschlugen. Reste dieser Insel, die südöstlich von Borkum vor der Krummhörn gelegen war, verschwanden 1781.

 

Borkum historisch

Geschichte

Der Name Borkum lässt sich aus der Namensfolge erleiten:

  • Burchana
  • Byrchanisa
  • Borkna 1227
  • Borkyn 1398
  • Borckum 1462/1527

Die erste urkundliche Erwähnung Borkums und anderer niederländischer und ostfriesischer Inseln ist datiert auf den 11.9.1398. Zur Zeit der Hanse diente Borkum Seeräubern („Liekedeelern“) als Unterschlupf und später auch niederländischen Wassergeusen, die gegen die Spanier kämpften. Herren der Insel waren seit dem Ende des 14. Jahrhunderts die ostfriesischen Häuptlinge, ab 1484 dann die Grafen von Ostfriesland. Den Grafen stand ein Teil der Strandungsgüter bzw. der Erlöse aus Strandgut zu. Dies war eine Quelle fortwährender Streitigkeiten mit den Insulanern, die angesichts permanenter Existenzsorgen auf ihren Anteil dringend angewiesen waren. Erst mit dem Beginn des Walfanges im 17. Jahrhundert brachten es die seefahrenden Borkumer zu einem gewissen Wohlstand. Borkum stellte viele erfolgreiche Kommandeure und Harpuniere insbesondere auf holländischen Schiffen. Doch gegen Ende des 18. Jahrhunderts gingen die Fangmengen zurück. Der holländisch-englische Seekrieg schließlich brachte den Walfang ganz zum Erliegen. In der Folge wurde die Borkumer Bevölkerung von großer Armut erfasst. Viele Einwohner verließen die Insel. Während 1776 noch 852 Insulaner gezählt wurden, waren es 1811 gerade noch 406 Personen. Von 1810 bis 1813 stand Borkum unter napoleonischer Herrschaft. Zur Durchsetzung der Kontinentalsperre mussten die Borkumer Männer und Frauen, die so genannte Franzosenschanze herstellen.

Es war im Jahr 1834, als die ersten Erholungssuchenden auf die Insel kamen. Ein im positivsten Sinne schicksalhafter Augenblick in Borkums Geschichte. 1844 rief der Arzt Dr. Ripking eine Art Verkehrsverein ins Leben, der für die ersten Badeeinrichtungen sorgte.

Erstmalig wurden die Badegäste im Jahr 1850 registriert: Es waren 252 Personen. Aber schon sieben Jahre später, 1857, zählte die Insel 600 Gäste und 1865 waren es dann bereits stolze 1024. Tendenz steigend: Bis 1900 erhöhte sich die Zahl der Badegäste auf 16474 Personen und nahm auch von da an weiter stetig zu. Auch berühmte Persönlichkeiten, wie der Zeichner Wilhelm Busch, schworen auf die bezaubernde Inselnatur und das heilsame Reizklima Borkums. Im Jahr 2023 besuchten 302.100 Inselurlauber die Insel Borkum.

In den vergangenen Jahrzehnten hat das Nordseeheilbad Borkum umfangreiche Investitionen getätigt, um im Wettbewerb der Tourismusstandorte auch in Zukunft glänzend dazustehen. So wurde die ehemalige Wandelhalle umgebaut, in der Besucher den Blick auf das Meer und die herrlichen Sonnenuntergänge erleben können, während sie die insulare Kochkunst genießen. Ein besonderes Highlight ist das im Jahr 2005 fertig gestellte “Gezeitenland ~ Wasser und Wellness”: Es bietet seinen Besuchern Wellness und Badespaß in einer neuen Dimension: eine Panoramasauna mit Blick auf die Nordsee, ein Erlebnisbad mit Riesenrutsche und mit dem FlowRider die einzige Indoor-Surfanlage im Norden Deutschlands. Ebenso bemerkenswert sind die Wellnessangebote im engeren Sinne: Naturschlick-Anwendungen, Schwebebäder in der Floatingmuschel, traditionelle ostfriesische Badezeremonien in der Borkumer Waschstube, Thalassotherapien und -Anwendungen u.v.m… Die Kulturinsel als Teil des Gezeitenlandes bietet den Gästen ein modernes Tagungszentrum, Seminarräume, Gastronomie und den „Großen Saal“ mit einer breiten Palette von Veranstaltungen. Hier finden Auftritte von bekannten Künstlern, Kabarettisten, Comedians, Konzerte und auch Lichtbildervorträge statt. Die Kulturinsel ist weiterhin Treffpunkt für kulturelle und informative Zusammenkünfte. Hier befindet sich auch die Arche-Bücherei und als zusätzlichen Service gibt es einen Leseraum. Der Kinderhort „Spielinsel“ nahe der Kulturinsel bietet den Kids nicht nur bei schlechtem Wetter Spiel und Spaß.

Tipp der Redaktion:

Das Heimatmuseum Dykhus – Walbeobachtung mal ganz anders: Im „Dykhus“ schauen Sie direkt ins Skelett des gigantischen Meeressäugers – und erleben auch die wechselvolle Geschichte Borkums aus einer ungewohnten Perspektive: nämlich beeindruckend nah dran.


Kontakt:

Dykhus Borkum
Roelof-Gerritz-Meyer-Straße 8
26757 Borkum
Telefon: 04922 4860

Weitere Informationen unter:
www.heimatverein-borkum.de